07.07.2017

3.30 Uhr – Der Wecker klingelt

Es ist kurz vor halb Vier, eigentlich hätte ich noch ein paar Minuten aber die Nacht habe ich eh nicht viel geschlafen. Also aufstehen, kurz unter die Dusche und wach werden – danach dann aufgeweichtes Müsli, eine Banane und eine Scheibe Brot zum Frühstück. Es ist das ganz normale Prozedere vor dem Wettkampf. Die Stimmung ist angespannt, aber jeder hat einen Plan und so geht es kurz vor 5.00 Uhr in Richtung See.

 

5.00 Uhr – Check in

Letzte Vorbereitungen am Rad, Flaschen und Riegel positionieren, Wechselbeutel checken und alle Wege noch mal abgehen. Danach wollte ich schnellstmöglich zum See, es waren ja noch 15 Minuten zu Fuß. Kurze Verwirrung gab es dann in der Wechselzone, wo gibt man eigentlich die Special Needs ab? „Am Schwimmstart“… Kurz vor 6.00 Uhr waren wir am Startbereich und hatten knappe 40 Minuten Luft – super pünktlich. Die Special Needs Abgabe war leider nicht aufzufinden – Panik, denn meine Verpflegung war darauf angepasst. Nach erneuter Nachfrage wurden wir also an die Wechselzone verwiesen. Zum Glück macht man so ein Rennen nicht allein und ich konnte jemanden schicken.

 

6:30 Uhr – Zehn Minuten bis zum Start

Herzliche Umarmungen gefolgt von kleinen Aufmunterungen, die Anspannung war bei allen zu spüren. Also ab in den Vorstartbereich, kurz ins Wasser und wieder raus zur Startaufstellung, Startschuss – los geht’s.

 

6:40 Uhr – Endlich!

Mit 37 anderen Profis ging es ins Wasser und ich konnte mich schnell in der ersten Gruppe hinter Jan Frodeno positionieren. Es bildete sich eine kleine Gruppe mit Eneko Llanos, Antony Costes und zwei weiteren Athleten. Das Tempo war gut, meine Orientierung mit beschlagener Brille bald verloren, aber durch die gute Wasserqualität haben die Füße vor mir gereicht, um die Gruppe zu halten. Die letzten 900m im Kanal waren fantastisch. So eine Stimmung habe ich beim Schwimmen noch nie erlebt. Ziemlich zufrieden ging es für mich als 6. Platzierter aus dem Wasser und an Position vier aufs Rad. Gute Ausgangssituation.

 

7:35 Uhr – Ab aufs Rad

Mein Trainer Daniel hat mir geraten, mich möglichst lange von den hohen Intensitätsbereichen fern zu halten. Auf den ersten 15 Kilometern ließ sich das gut umsetzen, denn nachdem Eneko und Antony gleich die Flucht nach vorn ergriffen hatten, ging es für mich mit zwei weiteren Athleten weiter. Nach knapp 30 Minuten kamen mit Ivan Rana und David Plese zwei weitere Topfavoriten von hinten gefahren. Mit ihnen stieg nicht nur die Geschwindigkeit in der Gruppe, sondern auch mein Puls, in Bereiche aus denen ich mich möglichst lange raushalten wollte. Bei Kilometer 30 habe ich die vielleicht wichtigste Entscheidung des Tages getroffen und die Gruppe fahren lassen. Verfolgergruppen gab es nicht, also musste ich die folgenden 150 Kilometer komplett alleine fahren. Ein Vorteil ergab sich natürlich – Ich habe immer auf mein Gefühl gehört.

 

12:33 Uhr - Wechsel auf die Laufstrecke

Nachdem ich auf dem Rad schon feststellen musste, dass mein Magen gegen feste Nahrung rebelliert, hatte ich natürlich etwas Bedenken vor dem Marathon. Cola und Gels mussten es also richten. Relativ schnell bin ich in meinen Rhythmus gekommen, mit gutem Gefühl und vernünftigen Pulswerten ging es also los. Nach dem ersten Kilometer war ich etwas erschrocken, 3:50 min – viel zu schnell. Ich wollte mich anschließend etwas einbremsen, empfand das aber als sehr anstrengend und habe es dann einfach laufen lassen. Die nächsten Abschnitte bis Kilometer 15 waren alle um die vier Minuten pro Kilometer und somit in einer Art Wunschpace. Auch die Abstände nach vorn sind auf einige Athleten deutlich gesunken, was wiederum meine Motivation überproportional hat steigen lassen. Das es nicht ewig so weitergehen würde konnte ich mir fast denken – wäre ja auch zu schön gewesen. Eine Marathonzeit von unter 3h habe ich bis zur Halbmarathonmarkierung wirklich für möglich gehalten aber Pustekuchen – der erste Knick kam ziemlich direkt im Anschluss. Ein weiterer kleiner Einbruch folgte bei Kilometer 28 und somit wurde das Ziel sub 3h Marathon in sub 9h Ironman geändert, um neue Motivation zu schaffen. Erstaunlich wie viel man beim Laufen hin und her rechnen kann. Der „Mann mit dem Hammer“, von den mir so viele berichtet haben, kam glücklicherweise nie, dafür aber zwei alte Bekannte aus dem Rennverlauf. Ivan Rana war auf einmal hinter mir und Antony Costes, habe ich bei Kilometer 35 wieder eingesammelt. Die Entscheidung auf dem Rad piano zu machen hat sich mit einem Schlag ziemlich richtig angefühlt!

 

15.35 Uhr – Die letzten 200 Meter…

… sind schmerzhaft. Irgendwie träumst du Jahre von diesen letzten 200 Metern, von deinem ersten Ironman, ja vielleicht auch von deinem ersten Marathon. Du siehst immer wieder, welche Emotionen dieser Kanal auslösen kann und im Rennen bist du schon mehrere Male über ihn „geflogen“ (zumindest gedanklich). Du bereitest dich wochenlang darauf vor, hast dutzende Höhen und Tiefen und nur im besten Fall kommt dann am Tag X alles zusammen – so wie bei mir. Ich kann immer noch nicht beschreiben was in diesen wenigen Sekunden in einem vorgeht, ich weiß nur eins – das war nicht das letzte Mal. Es war ein unglaublich emotionaler Tag an dem ich mir eines meiner größten Ziele erfüllt habe.

 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den 02. Juli 2017 nicht so schnell vergessen werde und bin gespannt auf alles was noch kommt!

 

20.03.2017

Diesen Satz habe ich noch auf der Fahrt zum Flughafen in Deutschland gelesen. Irgendwie passend. Draußen waren es 5 Grad, es hat geregnet und ich würde meinen, dass es kein besseres Wetter gibt, um strahlend die Koffer abzugeben und sich aus dem Staub zu machen.


Wir sind mittlerweile im letzten Drittel des Trainingslager angekommen und der Körper gibt die ersten Anzeichen, dass Ruhe auch mal ganz cool wäre. Morgen ist es soweit, kein Training dafür aber etwas wandern, Seelenruhe und aktive Erholung. Bis jetzt haben wir meiner Meinung nach so ziemlich alles richtig gemacht und sehr gut gearbeitet. Auf dem Rad sind es über 1200 km, laufend grob überschlagen vielleicht etwas mehr als 130 km und im Wasser reduzierte, aber inhaltlich sehr gute Kilometer. Ich bin sehr zufrieden bis hier hin und wirklich glücklich, dass alles wie geplant funktioniert! 

Völlig platt vom Training nach Hause kommen - das hat mir gefehlt! 


So langsam bekomme ich eine Vorstellung von dem, was mich hoffentlich im Juli erwarten wird. Nur ein Beispiel. Vorgestern sind wir etwas mehr als 180 km mit Kraftintervallen durch die Berge gefahren. Am Ende hatte ich natürlich völlig einen sitzen (umgangssprachlich: kaputt sein vom Training). Ich wollte aber wenigstens den Wechsel zum Laufen simulieren und habe mich dabei wirklich lange nicht so schlecht gefühlt. Es war fantastisch, auch wenn es sich nicht so anhören mag... Das Schöne daran, mit jedem laufenden Meter mehr ging es etwas besser... Ich bin somit guter Dinge, dass wir bis zum Ironman Klagenfurt die passende Herangehensweise für mein Rennen finden werden.

ich freue mich auf die restlichen Tage, bevor es dann am 27. März zurück nach Deutschland geht. Hoffentlich mit mehr Form als vorher. :)

 

 

 

06.03.2017

Die Tage sind gezählt. Ab heute sind es noch genau 118 Tage die mir bleiben, um mich auf meine erste Langdistanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen vorzubereiten. Ich habe lange nach einem passenden Einstieg gesucht und ihn gefunden. Am 02. Juli werde ich als einer von knapp 3000 Athleten an der Startlinie des Ironman Klagenfurt stehen. 

Natürlich, ich freue mich extrem auf das was mich erwartet. Dreizehn Jahre nach meinem ersten Triathlon bin ich wieder ein Rookie, ein Unerfahrener. Der Gedanke daran ist schon aufregend. In all den Jahren habe ich so viel gehört, so viel gelesen und so viele Rennen selbst gesehen. Jetzt ist es endlich soweit – IM Klagenfurt, wir sehen uns bald. 

 

 

Ich habe sehr viel Respekt vor dem was mich erwartet. Nicht unbedingt wegen der Streckenlänge, sondern vielmehr wegen der mentalen Herausforderung. Wer mich kennt der weiß, dass ich nicht ohne Zielstellung in das Rennen gehe werde und mehr will als nur ein finishen. Nicht ohne Grund starte ich in diesem Jahr erneut mit einem Elitepass. Ich brauche den Druck, um mich zu motivieren und um fokussiert zu bleiben. Mit diesem ersten Blog beginne ich, euch an meinen Vorbereitungen teilhaben zu lassen und baue den Druck weiter auf. 

Aber Schritt für Schritt: Was ist bis jetzt passiert? Es ist Anfang März, der Winter neigt sich dem Ende zu. In den kälteren Monaten legen wir Triathleten normalerweise die Grundlagen für die Saison. Im Unterschied zu den beiden vergangenen Jahren bin ich bis jetzt in Gera geblieben. Die Trainingsbedingungen sind in meiner Heimatstadt nach wie vor sehr gut, denn ich habe kurze Wege zwischen Arbeit, Sportstätten und auch der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Seit Oktober 2016 studiere ich wieder. Nebenberuflich, um alles unter einen Hut zu bekommen. 

In den letzten Wochen habe ich mehr Zeit auf den Langlauf Ski, dem Mountainbike und dem Laufband im Fitnessstudio 1 verbracht. Meine „langen“ Radeinheiten begrenzen sich seit Mitte Dezember auf 2h. Mehr war bis jetzt einfach nicht mehr. Es wird Zeit, endlich ins Trainingslager zu kommen!

 

 

Ab morgen geht es los, es stehen drei Wochen Training auf Mallorca an. Diese werde ich mit Theodor Popp verbringen und dank einiger Überstunden, freue ich mich auf ein zweites Trainingslager im April, mit Daniel Wienbreier, meinem Coach.  

Mit regelmäßigen Blogeinträgen halte ich euch von nun an auf dem Laufenden. Tägliche Trainingsupdates findet ihr auf Instagram (www.instagram.com/_robinschneider_). 

 

Lasst es euch gut gehen und Hasta Luego, 

Robin.